Performance Management? Alle dafür. Bis es die eigene Leistung betrifft.
Das Comic zeigt etwas, das ich in fast jeder Organisation erlebe: Links der Manager, der begeistert erklärt, wie wichtig Performance Management ist. Rechts derselbe Manager, wenn es um die Messung seiner eigenen Leistung geht. Da nimmt die Begeisterung gleich mal ab.
Überzeichnet? Nicht wirklich.
Leistungsmessung ist in vielen Organisationen negativ besetzt, bei Mitarbeitenden, die Kontrolle fürchten, aber genauso bei Führungskräften, die Sorge vor Demotivation haben. Der Begriff allein löst Abwehr aus, noch bevor irgendjemand etwas getan hat.
Woher kommt diese Abwehr? Meine Vermutung: Die meisten Menschen haben kein Problem mit Leistungs-Feedback. Sie haben ein Problem mit dem Gefühl, bewertet zu werden.
In der Schule wird der Grundstein gelegt
Die meisten Menschen machen ihre ersten Erfahrungen mit Leistungsbeurteilung in der Schule. Über viele Jahre lernen wir dort, dass Leistung bewertet, verglichen und mit Konsequenzen verbunden wird. Gute Noten bringen Anerkennung, schlechte Noten Enttäuschung – manchmal bei Lehrern, oft bei Eltern und nicht selten bei uns selbst.
Dabei steht selten die Frage im Mittelpunkt, wie wir besser werden können. Stattdessen geht es häufig darum, wo wir im Vergleich zu anderen stehen. Leistung wird gemessen, um einzuordnen, zu bewerten und zu selektieren. Wer eine schlechte Note erhält, erlebt Bewertung nicht als Unterstützung, sondern als Urteil.
Diese Erfahrungen wiederholen sich über Jahre hinweg und prägen unser Verständnis von Feedback. Unbewusst entsteht die Verknüpfung: Bewertet werden bedeutet, dass jemand entscheidet, ob ich gut genug bin oder nicht. Genau deshalb lösen Mitarbeitergespräche, Zielvereinbarungen oder Performance Reviews bei vielen Menschen bis heute Anspannung aus. Obwohl moderne Performance-Management-Systeme eigentlich Entwicklung fördern sollen, aktivieren sie oft dieselben Gefühle wie früher die Rückgabe einer Klassenarbeit.
Der Reflex sitzt tief: Wer bewertet wird, rechnet nicht zuerst mit Unterstützung, sondern mit einem Urteil.
Es geht auch anders
Mein Neffe war in der Grundschule lange unsicher. Er konnte seine Leistungen kaum einschätzen und traute sich wenig zu. Als die ersten Noten kamen, passierte etwas Überraschendes: Sie wirkten auf ihn nicht wie ein Urteil, sondern wie Orientierung. Plötzlich hatte er einen Bezugspunkt. Er erkannte, was ihm leichtfiel, wo Entwicklung möglich war und begann, sich Ziele zu setzen. Nicht weil jemand Druck ausübte, sondern weil Transparenz Motivation erzeugte.
Heute gehört er zu den stärksten Schülern seiner Klasse. Für mich zeigt das einen wichtigen Unterschied: Menschen brauchen Rückmeldung über ihre Leistung. Entscheidend ist, ob sie diese als Bewertung ihrer Person oder als Information für ihre Entwicklung verstehen. Bewertung wird dann problematisch, wenn sie als Urteil über den Menschen verstanden wird. Wenn sie hingegen Orientierung bietet, kann sie Entwicklung auslösen.
Natürlich funktioniert das nicht bei jedem gleich. Wer immer wieder erlebt, dass er schlechter abschneidet als andere, wird durch Rankings selten motiviert. Er wird eher entmutigt. Deshalb ist der Vergleich mit anderen oft der falsche Maßstab.
Der wirksamste Maßstab für die meisten Menschen ist ein anderer: der Vergleich mit sich selbst. Wo stand ich vor sechs Monaten? Was kann ich heute besser als gestern? Welche Fortschritte habe ich gemacht?
Warum Leistungsfeedback nicht das Problem ist
Viele Führungskräfte vermeiden klare Leistungsrückmeldungen, weil sie Angst vor Demotivation haben. Doch das eigentliche Problem ist oft nicht die Rückmeldung selbst. Das Problem entsteht, wenn Mitarbeitende das Gespräch als Urteil über ihren Wert erleben. Gute Performance-Management-Systeme schaffen deshalb Orientierung. Sie beantworten nicht die Frage „Wie gut bist du?“, sondern „Wo stehst du heute und wie kannst du besser werden?“. Der Unterschied entscheidet darüber, ob Performance Management Motivation erzeugt oder diese sogar zerstört.
Das ist ein Ausschnitt aus unserem Performance Leadership Ansatz: Klarheit schaffen. Leistung steuern. Verantwortung stärken. Performance Leadership
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Underperformance dulden? Warum das jetzt niemandem hilft
Warum wir Underperformance so lange dulden – und was das gerade jetzt kostet
In meiner Beratungsarbeit erlebe ich derzeit eine Situation, die mich nachdenklich macht: Viele Unternehmen stehen unter echtem wirtschaftlichem Druck – Auftragsrückgänge, Kostenprogramme, Stellenabbau. Gleichzeitig beobachte ich in denselben Organisationen, dass Leistungsunterschiede im Team zwar offen sichtbar sind, aber nicht angesprochen werden. Ein offensichtlicher Widerspruch.
Der bequeme Weg ist der teuerste
Underperformance zu dulden war schon immer eine schlechte Entscheidung. Aber in einer wirtschaftlichen Schönwetterphase hatte sie einen gewissen Luxus: Man konnte es sich leisten, wegzusehen. Die Ergebnisse stimmten trotzdem, das Team funktionierte irgendwie, und die schwierige Führungssituation ließ sich vertagen.
Diese Zeit ist vorbei.
Wenn Unternehmen heute mit weniger Menschen bessere Ergebnisse erzielen müssen, wenn jede Stelle zählt und jeder Beitrag sichtbar wird, dann hat das Dulden von Low Performance einen konkreten Preis. Und dieser Preis wird nicht nur von der Führungskraft bezahlt, die wegschaut – sondern vom gesamten Team, das zusieht.
Was wirklich hinter dem Schweigen steckt
Ich erlebe selten, dass Führungskräfte aus Gleichgültigkeit schweigen. Die meisten wissen genau, wer im Team unter seinen Möglichkeiten bleibt. Das Problem ist ein anderes: Sie wissen nicht, wie sie es ansprechen sollen.
Wie formuliere ich eine klare Leistungserwartung, ohne wie ein Kontrollfreak zu wirken? Wie führe ich ein Feedbackgespräch, das wirklich etwas verändert und nicht nur kurz schmerzt, um danach alles beim Alten zu lassen? Wie treffe ich eine Konsequenz – Umsteuerung, Entwicklung, oder im schlimmsten Fall Trennung – die ich auch vor mir selbst und dem Team vertreten kann?
Das ist keine Frage fehlenden Mutes. Es ist eine Frage fehlender Handlungssicherheit.
Die eigentliche Führungsaufgabe
Underperformance ist kein individuelles Problem. Sie wird zu einem Organisationsproblem, sobald Führung sie nicht klar adressiert.
Was ich beobachte, ist eine merkwürdige kollektive Verdrängung. Empowerment, Psychological Safety, Purpose – all das sind wichtige Konzepte, und ich stehe hinter ihnen. Aber sie sind kein Ersatz für das, was Führung im Kern auch bedeutet: Leistung klar benennen, einfordern und steuern.
Die Mitarbeitenden, die gute Arbeit leisten, wissen übrigens sehr genau, wer im Team nicht liefert. Und sie beobachten sehr genau, wie ihre Führungskraft damit umgeht. Nichts untergräbt die Leistungskultur eines Teams schneller als die Erfahrung, dass Konsequenz ausbleibt.
Konsequenz ist kein Gegenteil von Menschlichkeit
Das größte Missverständnis, das mir in Führungstrainings begegnet: Viele Führungskräfte glauben, zwischen Menschlichkeit und Konsequenz wählen zu müssen. Das stimmt nicht.
Es ist nicht menschlich, jemandem monatelang nicht zu sagen, dass seine Leistung nicht ausreicht – und ihn dann plötzlich vor vollendete Tatsachen zu stellen. Es ist nicht menschlich, einem leistungsstarken Team zuzumuten, die Lücken anderer dauerhaft zu schließen.
Klarheit ist eine Form von Respekt. Und die Bereitschaft, schwierige Gespräche zu führen, ist kein Zeichen von Härte – sondern von Führungsverantwortung.
Gerade jetzt, in einer wirtschaftlichen Realität, die wenig Spielraum für Unschärfe lässt, ist das keine optionale Führungskompetenz mehr.
Dies ist der Auftakt einer Serie zum Thema Performance Leadership. In den kommenden Wochen werde ich konkret darüber schreiben, wie Führungskräfte Leistungserwartungen klar formulieren, wirksame Gespräche führen und eine Kultur schaffen, in der Konsequenz und Menschlichkeit kein Widerspruch sind — sondern zwei Seiten derselben Haltung.
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