Prozess-orientierte Führung

Prozess-orientierte Führung (Process-oriented Leadership, POL) bezeichnet das Vorgehen einer Führungskraft,

  • gemeinsam mit einem Mitarbeiter einen Prozess zu einem Ziel zu planen (Planungsphase)
  • bei der Erfüllung des Prozesses durch den Mitarbeiter kontrollierend und unterstützend einzugreifen (Führungsphase).

 

Die Planungsphase

In der Planungsphase wird der Prozess beschrieben, durch den ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll. Es wird ein sogenannter Prozessbaum entwickelt mit konkreten Prozessschritten und angestrebten (Teil-) Ergebnissen. Der Prozessbaum wird schriftlich festgelegt und verbindlich vereinbart. Er stellt zum Zeitpunkt seiner Erstellung die Überzeugung von Mitarbeiter und Führungskraft dar, dass mit ihm das angestrebte Ziel realisiert werden kann. Bei der Entwicklung des Prozessbaums sprechen wir auch vom Design. Da es sich dabei nicht um ein mathematisches Herunterbrechen des Ziels handelt, sondern um einen kreativen Akt der Wegplanung.

Der Prozessbaum ist keine lineare Auflistung von Schritten, sondern eine kaskadisch angeordnete Prozesslandschaft, in der sich ein übergeordneter Prozessschritt jeweils in mehrere untergeordnete Prozessschritte aufteilen lässt. Wenn man also wissen möchte, wie genau ein bestimmter Prozessschritt erfüllt werden wird, geht man eine Ebene tiefer und schaut sich dort die Unterprozessschritte an. Dies ermöglicht die Betrachtung und Diskussion des Prozesses auf unterschiedlichen Aggregierungsleveln, um weder den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen noch den Baum vor lauter Wald.

 

Die Führungsphase

Der in der Planungsphase entwickelte Prozessbaum stellt im weiteren Verlauf die Basis dar für die Aufgabenerfüllung durch den Mitarbeiter und die begleitende Führung durch die Führungskraft. Der Mitarbeiter arbeitet die geplanten Prozessschritte ab und erzielt (Teil-) Ergebnisse auf dem Weg zur Zielerreichung. Die Führungskraft wird zu festgelegten Zeitpunkten die Aufgabenerfüllung kontrollieren, Unterstützung leisten und - so notwendig - eine Justierung des Prozessbaums veranlassen.

Die Methode der regelmäßigen Besprechung des Prozessbaums nennen wir Tracking & Tracing. Beim Tracking & Tracing gehen Mitarbeiter und Führungskraft gemeinsam auf Ursachenforschung, gehen den Prozessbaum von oben nach unten durch, fragen sich jeweils, welcher Prozessschritt kritisch war, und folgen dem Baum bis zu dem Level, an dem das Problem offenkundig und lösbar wird.

 

Weiterführende Informationen

C. Innerhofer, P. Innerhofer: Prozess-orientierte Führung, 2013, Buch in Vorbereitung

 

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